Jesus tröstet

Wenn Gott mitweint

Jürgen Ferrary
19. Juni 2026

„Gesegnet sind die, die trauern, denn sie sollen getröstet werden“, so verspricht es Jesus in Matthäus 5,4. In den vergangenen Tagen haben wir darüber gesprochen, wie wichtig es ist, Trauer nicht zu verdrängen. Denn eines ist klar: Trauer kann man nicht überspringen. Man kann sie nicht wegdiskutieren. Man kann sie nicht unterdrücken. Man muss hindurch.

Doch wie kommt man wieder heraus? Jesus gibt eine erstaunliche Antwort: Gott tröstet. Aber wie macht er das eigentlich? Heute möchte ich zwei Wege zeigen, wie Gott einem zerbrochenen Herzen begegnet.

Erstens: Gott zieht dich ganz nah zu sich.

David schreibt: „Nahe ist der HERR denen, die ein gebrochenes Herz haben“ (Psalm 34,19). In meiner früheren englischsprachigen Gemeinde gab es einen Satz, den ich nie vergessen habe: „What you feel and what’s real are not the same thing.“ Was du fühlst und was wirklich ist, sind nicht immer dieselben Dinge.

Gerade in Zeiten tiefer Trauer fühlen sich viele Menschen von Gott verlassen. Doch Gefühle sind nicht immer die Wahrheit. Die Wahrheit lautet: Gott ist dir gerade jetzt besonders nahe. Vielleicht spürst du ihn nicht. Aber er hat versprochen: „Ich werde dich niemals aufgeben und dich nie verlassen“ (Hebräer 13,5). Darauf darfst du dich verlassen.

Zweitens: Gott leidet mit dir.

Wir können trauern, weil wir nach Gottes Ebenbild geschaffen wurden. Auch Gott kennt Trauer. Jesus wird in Jesaja 53 als „Mann der Schmerzen“ beschrieben. Und als sein Freund Lazarus gestorben war, lesen wir den kürzesten Vers der Bibel: „Jesus weinte“ (Johannes 11,35).

Was für ein Trost. Der Sohn Gottes steht nicht emotionslos neben unserem Leid. Er weint mit. Er kennt den Schmerz. Er versteht den Verlust. Er bleibt nicht auf Distanz. Vielleicht ist das besonders für uns Männer wichtig.

Viele von uns haben gelernt: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“ „Ein Mann weint nicht.“ Doch Jesus tat genau das. Nicht weil er schwach war. Sondern weil Liebe trauert. Wenn sogar der Sohn Gottes Tränen vergoss, müssen wir unsere Tränen nicht verstecken.

Vielleicht ist genau das der Moment, in dem wir Gottes Nähe am tiefsten erleben. Denn Gott tröstet nicht immer dadurch, dass er den Schmerz sofort wegnimmt. Oft tröstet er, indem er ihn mit uns trägt. Morgen schauen wir uns weitere Wege an, wie Gott unsere Herzen tröstet.

Das ist der Unterschied, den Jesus ausmacht. Wenn Jesus nicht Teil deines Lebens ist, dann ist Gott in diesem Moment nicht bei dir, und du bist auf dich allein gestellt. Du hast keine anderen Hilfsmittel. Du musst den Schmerz ganz allein bewältigen. Gott hat nie beabsichtigt, dass du den Schmerz ganz allein bewältigen sollst.

Paulus geht sogar so weit, dass er schreibt: „Wir erleben Dinge, die uns traurig machen, und sind doch immer voll Freude“ (2. Korinther 6,10). Und das ist eine Glaubenserfahrung, die Gott auch dir und mir verspricht!

Kleine Herausforderung: Gibt es einen Schmerz, den du bisher allein getragen hast? Dann erzähle Gott heute ganz ehrlich davon. Nicht mit frommen Worten. Sondern so, wie einem guten Vater. Und bitte ihn, dir seine Nähe spüren zu lassen.

Sei gesegnet!

„Geteiltes Leid ist halbes Leid.“ – Deutsches Sprichwort

Mehr Gedanken

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner
Warning